Hier finden Sie Informationen zu Veranstaltungen der Europäischen Akademie der heilenden Künste in der Vergangenheit.

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ECCE HOMO – VERGEHEN ERINNERN
Eine Klangperformance zum Gedenken an die „Euthanasie“-Opfer auf dem Sonnenstein in Pirna

Ein Projekt der Europäischen Akademie der Heilenden Künste e.V., Gemeinde Pulow in Vorpommern

Die Klangperformance
Vom 18.-20. September fand auf dem Sonnenstein in Pirna eine Klangperformance zum Gedenken an die mehr als 14.000 ermordeten Menschen Anfang der 40er Jahre statt.
Die dortige ehemalige Heilanstalt wurde zum Tötungszentrum der Nazi-Herrscher gemacht: 14.751 auf Karteikarten vermerkte Menschen wurden im Keller der Anstalt vergast und verbrannt – über 13.700 behinderte Menschen, die für lebensunwert befunden worden waren, sowie rund 1.000 zum Teil politische Häftlinge.
Die Klangperformance war ein Versuch, das unbewältigbar scheinende Vergehen an diesen Menschen vor dem Vergehen in der Zeit zu bewahren. Mit den Mitteln der Musik schafften ein Gongspieler, vier Musiker und eine Bewegungskünstlerin einen Zeit-Raum, der das genaue Betrachten, das Nachsinnen, innere Forschen, Trauern, Mitfühlen und schließlich Mutfassen für ein gänzlich anderes Handeln in unserer Zeit möglich machen sollte.
Den Kern der Performance bildete ein großer Gong, den der Gongspieler für jedes Tötungsopfer einzeln anschlug – alle 10 Sekunden ein Anschlag, 147.510 Sekunden oder rund 41 Stunden lang, ununterbrochen durch Tag und Nacht. Zu dieser fortwährend tönenden Mahnung setzten die anderen Ensemblemitglieder punktuelle Klangereignisse, in denen sie den eigenen Gedanken- und Gefühlsstrom dokumentierten.
Die Performance fand an der Eiche vor dem Tötungskeller statt, die eine historische Zeugin des Vergehens ist. Ein Präludium und ein abschließendes Postludium erklangen in der aufgelassenen Kirche im angrenzenden Park. Während der Klangperformance wurden die behinderten Menschen der nahegelegenen Behindertenwerkstätte mit in das Geschehen mit einbezogen. Am Vormittag des 19. September malten sie auf großen Stoffbahnen, die an der Mauer hinter dem ehemaligen Tötungskeller angebracht war, zur improvisierten Musik. Zwischen die von ihnen gemalten Bilder und Symbole schrieben sie in großen Buchstaben ihre Gedanken und Assoziationen. Dieser Ausdruck der behinderten Menschen war von einer so ursprünglichen Kraft, dass sie alle Beteiligten zutiefst anrührte.
Unter dem Publikum waren besonders viele junge Menschen, die sich im Laufe der Klangperformance intensiv in das Geschehen einbrachten. Sie trugen ihre Gedanken in ein ständig aufliegendes Gästebuch ein, spannten weitere Stoffbahnen auf der Wiese neben der Eiche aus, um zu malen, und brachten sich musikalisch ein.
Der Gongspieler führte während der Performance ein Selbstgespräch, das während der gesamten Performance veröffentlicht wurde. Er trug zu diesem Zweck ein Mikrofon, das alles, was er sagte, über einen diskret eingependelten Lautsprecher für diejenigen hörbar machte, die in die Nähe des Lautsprechers traten.

Die Dokumentation
Von diesem Ereignis, das für KünstlerInnen wie ZuhörerInnen tief bewegend war, soll im kommenden Jahr ein Buch mit beigefügter DVD entstehen, Der Hauptteil des Buches wird die Transkription von Ausschnitten des aufgezeichneten Selbstgesprächs des Gongspielers umfassen. Dazu kommen Beiträge der anderen Musiker und Kommentare aus dem Gästebuch. Davor soll einleitend ein Beitrag der Gedenkstätte stehen, der die Performance in den allgemeinen historischen und in den spezifisch örtlichen Kontext setzt.
Das Buch wird mit Farbfotos bebildert, so dass man den Ablauf der Performance optisch nachvollziehen kann. Auf der DVD werden musikalische Ausschnitte aus dem Postludium des Now!-Ensembles in der Kirche zu hören sein. Dazu wird ein 10-minütiger Film über die Gong-Performance enthalten sein, den das Kamerateam der Dokumentar-Filmgesellschaft Denkmal-Film in München drehte.
Diese Dokumentation soll allen Gedenkstätten im deutschsprachigen Raum angeboten werden, um sie in den jeweiligen Ausstellungsräumen Schulklassen, Jugendgruppen und weiteren BesucherInnen zur Verfügung zu stellen. Nach der starken Resonanz, die die Performance beim Publikum – einschließlich der behinderten Menschen – erfuhr, gehen wir davon aus, dass sicher ein Interesse an der Dokumentation besteht.
Ausgehend von einer behutsamen menschlichen und künstlerischen Annäherung an das unfassbare Geschehen vor 60 Jahren, kann die Dokumentation möglicherweise ein Medium werden, das BesucherInnen, Schulklassen etc. auf besondere Weise berührt.

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INTERNATIONALE BEGEGNUNG DER GENERATIONEN

Gründungsmitglieder des Vereins (Mitglieder des Now!-Ensembles) wurden für den 2. Mai 2003 vom Förderverein Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin zum 58. Jahrestag der Befreiung des KZ Wöbbelin am 2. Mai 1945 eingeladen. Anlässlich des Jahrestages fand dort die Internationale Begegnung der Generationen statt, und das Ensemble hatte die Aufgabe, die Gäste im Park der Gedenkstätte während der Klangperformance über die Gräber zu führen, um schließlich am Ende des Parks das – im vorhergehenden Jahr geschändete und nun restaurierte – Mahnmal, ein Relief aus Sandstein, zu enthüllen.
An dieser Veranstaltung nahmen ca. 200 Gäste teil, unter ihnen Überlebende des KZ-Außenlagers Wöbbelin aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Broßbritannnien, Israel, Polen, der Ukraine und den USA.
Die Veranstaltung begann mit einem ökumenischen Gottesdienst und war getragen vom Gedanken der Toleranz und Völkerverständigung. Vor dem enthüllten Mahnmal spielte unser Ensemble einen langen an- und abschwellenden Klagegesang, während dem die Gäste Blumenkränze niederlegte, ehemalige Häftlinge, gestützt von ihren Angehörigen, junge und alte Menschen.

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PROJEKTE MIT POLNISCHEN PARTNERN

Kreiskrankenhaus Police: Zwei Workshops für das Krankenhauspersonal mit dem Thema „Einblicke in die Gehirnforschung in Verbindung mit Musiktherapie“ unter der Leitung von Johannes Heimrath und dem Gehirnforscher Günther Haffelder
Kooperationspartner: Dr. Leszek Herbowski, Direktor des Krankenhauses

Stettin: Drei Workshops für StudentInnen, LehrerInnen, und BetreuerInnen von behinderten Menschen mit den Themen „ Klang, Rhythmus, Bewegung“ und „Gongs in der Klangarbeit mit Kindern und Erwachsenen“ unter der Leitung von Klaus Holsten, Beatat Seemann und dem Tänzer und Bewegungstherapeuten Thomas Schallmann.
Kooperationspartner: Eugenia Mankowska, Direktorin des Zentrums für Lehrerfortbildung und Elsbieta Chudzik, Leiterin der Pfadfindereinrichtungen für Behinderte und Nichtbehinderte in Stettin.

Pobierowo: Ein Workshop für BetreuerInnen von behinderten Menschen mit dem Thema „Gongs in der Arbeit mit behinderten Menschen“ unter der Leitung von Johannes Heimrath.

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